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Mandla Reuter: Pictures

Mandla Reuters Pictures ist die Umwandlung einer Privatwohnung in einem Hochhaus im Hamburger Stadtteil Kirchdorf-Süd in ein Kino, das aktuelle Mainstream-Filme zeigt, die gleichzeitig auch anderenorts in Großkinos weltweit laufen. Eine beleuchtete Anzeigetafel an der Fassade des Gebäudes kündigt die Vorstellungen an und verbindet so das Interieur der Wohnung mit dem städtischen Außenraum.

Statt einen Platzmangel zu kommentieren, verhandelt Pictures Vorstellungen über Zugang und das Potential von Räumen. Privatheit wird ausgehebelt, um Intimität an einem öffentlichen Ort zu ermöglichen: Man könnte sagen, die Arbeit biete nicht so sehr eine öffentliche, sondern eine ‘intime Dienstleistung’ an. Diese Intimität erwirbt allerdings eine zweischneidige Funktion im Verhältnis zum Glanz, den die schiere Größe und Architektur von Multiplex-Kinos vermitteln soll. Wie werden Hollywood-Superstars aussehen, wenn man sie in eine kleine Wohnung zwängt? Werden sie weiterhin die Hauptattraktion des Ortes sein, oder wird der massige Projektor zum Mittelpunkt des Geschehens werden? So gestaltet Reuter eine alternative Version der Filmindustrie, ganz ähnlich wie Andy Warhol seine eigenen ‘Sternchen’ in Filmen wie Chelsea Girls erfand, einem Kammerspiel, in dem die Schauspieler durch Improvisation ihr glanzvolles Selbst entwarfen. Auch in Reuters Pictures geht es um das Zusammenleben mit dem Starwesen durch eine Art spielerisch-parasitärer Teilhabe an den Illusionen der Kulturindustrie.

Reuters ambivalentes Verhältnis zu dem von ihm angeeigneten Material lässt sich in Jacques Derridas Zwitterbegriff der ‘hostipitalité’ zusammenfassen, der eine bedingungslose Gastfreundschaft durch das Spiel mit der Tatsache benennt, dass ‘hospitalité’ und ‘hostilité’ von der selben Wurzel abstammen, ‘hostis’. Auf der Grundlage einer Offenheit, einer umfassenden Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit wird Reuters Projekt auch zu einer öffentlichen Arena, in der demokratische Gefühle durchgespielt werden können – auf friedliche wie auf möglicherweise feindselige Weise.

Text: Lars Bang Larsen

Mandla Reuter
geb. 1975 in Nqutu, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin
zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen seit 1997





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