Lenka Clayton: Local Newspaper (Wilhelmsburger Wochenblatt)
Für ihr Projekt Local Newspaper hat die Londoner Künstlerin Lenka Clayton das Wilhelmsburger Wochenblatt ausgewählt, ein Gratis-Blatt für lokale Nachrichten, Anzeigen und Werbung. Wöchentlich erscheint es auf den Elbinseln in und um Wilhelmsburg. Charakteristisch für diesen Stadtteil sind große Gegensätze, Vielfalt und daraus entstehende Spannungen. Ländliche und industrielle Areale wechseln mit Wohngebieten. Hauptverkehrsadern lärmen neben alten Flussarmen und Naturschutzgebieten. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Sprachen leben hier. Zudem gilt diesem Stadtteil das besondere Interesse der gegenwärtigen Stadtentwicklungspolitik Hamburgs. All diese Aspekte spiegeln sich auch in der Berichterstattung und dem Anzeigenteil der Lokalzeitung.
Für das Projekt Local Newspaper wurde die Ausgabe 9 des Wilhelmsburger Wochenblattes vom 28. Februar 2007 gewählt. 312 Personen sind in dieser Ausgabe namentlich genannt, in Reportagen, Werbung, Bekanntmachungen, Sterbe- und Kontaktanzeigen. Menschen verschiedener Herkunft, Privatpersonen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Bewohner des Stadtteils, aber auch internationale Film- und Musikstars.... Der Versuch, diese 312 Personen ausfindig zu machen, ist ein langwieriges und wahrhaft detektivisches Unterfangen. Wer aber gefunden wurde und einverstanden ist, wird von Lenka Clayton an einem selbst gewählten, alltäglichen Ort fotografisch porträtiert.
Der Zeitungsausgabe, die über namentliche Nennungen einen Personenkreis, eine Gesellschaft beschreibt, wird eine bildhafte Version desselben Kreises, derselben Gesellschaft zur Seite gestellt. Aber diese bildhafte Version – oder Vision – unterscheidet sich gänzlich von der namentlichen. Oder gibt es doch Überschneidungen? Lenka Clayton schreibt: „Das Projekt veranschaulicht den Zufall, der allein durch die Erwähnungen in einer Zeitung (deren Meldungen längst schon der Vergangenheit angehören) eine neue Gesellschaft von Personen entstehen lässt. Gewidmet wird diese Arbeit den Millionen von Gesellschaften, die täglich unbemerkt entstehen und ebenso unbemerkt wieder verschwinden.“
Die Fotos werden in der Ausstellung „in order of appearance“ gezeigt, also in der Reihenfolge, in der die Namen auch in der Zeitung erschienen sind.
Das Projekt ist ein Beitrag zu den „Hamburg-Kartierungen“ der Galerie für Landschaftskunst und wird gemeinsam mit ihr durchgeführt.
Projektleitung: Victoria Sanchez. Projektassistenz Ricarda Köneke.
Zu dem Projekt entsteht nach der Ausstellung eine Publikation.
Lenka Clayton
geb. 1977 in England, Künstlerin und Dokumentarfilmerin, lebt und arbeitet in London
seit 1999 zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen
http://www.lenkaclayton.co.uk

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